Teuerungsausgleich
Teuerung bringt Spitäler in Schieflage
Die aktuellste Analyse von SpitalBenchmark bestätigt die alarmierende finanzielle Lage der Schweizer Spitäler und Kliniken: Trotz Effizienzsteigerungen der Spitäler betrug im Jahr 2023
die durchschnittliche EBITDA-Marge lediglich 2,5 Prozent – nötig für einen nachhaltigen Betrieb mit attraktiven Arbeitsbedingungen wären 10 Prozent. Der Grund für diese Misere liegt in den
seit Jahren beträchtlichen Unterdeckungen bei den ambulanten und stationären Tarifen, welche zwischen 10 und etwa 30 Prozent betragen. Diese Situation hat auch zu einem besorgniserregenden Abbau der Eigenkapitalreserven geführt.
Tarife müssen an Teuerung angepasst werden
Die Teuerung der letzten Jahre hat diese Situation zusätzlich massiv verschärft: Die Kosten der Spitäler haben sich deutlich erhöht, die Tarife sind praktisch stagniert. «Ohne Anpassung an die Teuerung wird sich diese Situation weiter verschärfen, was zu Einschränkungen im Leistungsangebot sowie teuren Rettungsaktionen durch die Kantone führen wird», zeigt sich Anne-Geneviève Bütikofer, Direktorin von H+, besorgt.
Versorgungssicherheit wird gefährdet und Mittel für Personalmassnahmen fehlen
Ohne Teuerungsausgleich können Spitäler ihre Leistungen trotz steigender Kosten nicht mehr finanzieren. Die Spitäler und Kliniken haben so kaum mehr Mittel, um dringend nötige Investitionen in Infrastrukturen, die Digitalisierung oder attraktive Anstellungsbedingungen zu tätigen. Die Nichtgewährung des Teuerungsausgleichs geht so vor allem auch zulasten des Spitalpersonals, da die Spitäler kaum Spielraum für Lohnanpassungen haben. Langfristig gefährdet dies die Qualität und Verfügbarkeit der Gesundheitsversorgung in der Schweiz.
Dringend zu korrigierender Systemfehler
Die Nichtgewährung des Teuerungsausgleichs führt im Rahmen der neuen Spitalfinanzierung zu einer teuerungsbedingten Finanzierungslücke und stellt einen Systemfehler dar. Dieser wirkt sich in einem hohen Teuerungsumfeld – wie in der Post-Covid-Ära – besonders nachteilig für die Spitäler aus. Zudem verstösst er gegen die revidierten Vorgaben des KVG. Denn dort wird eine kostendeckende Finanzierung von effizient erbrachten Spitalleistungen gefordert. Mit den aktuellen Tarifen ohne Teuerungsausgleich werden selbst die effizientesten Spitäler in die Verlustzone gedrängt. Eine umgehende Anpassung der Tarife ist also zwingend nötig, wenn die Spitäler und Kliniken ihre Leistungen weiterhin auf höchstem Niveau erbringen sollen.
Das Parlament hat es in der Hand
Vor diesem Hintergrund wird das Parlament und in einem ersten Schritt die SGK-S in aller Deutlichkeit dazu aufgefordert, den systembedingten Fehler zu korrigieren und der Motion Müller zuzustimmen. Obwohl damit die chronische Unterfinanzierung nicht behoben wird, wäre dies ein dringend notwendiger Schritt zur Verbesserung der finanziellen Situation der Spitäler.